Recherchetagebuch

Ein Freispruch, der nicht gerechtfertigt war

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Im November 1939 wurde der Soldat Carl August Odewald ermordet – gesühnt wurde die Tat nie

Carl August Odewald war ein stramm deutschnationaler Mann. Dass der II. Weltkrieg richtig war, stand für ihn nie außer Frage. Und doch: Ausgerechnet ein SS-Mann ermordete Carl August Odewald. Er starb am 19. November 1941 im evangelischen Diakonissenhaus. Carl August Odewald war das tragische Opfer einer Verwechslung. Der SS-Mann hielt ihn für den geliebten seiner Frau. Dabei wäre es dem Soldaten, der mit seiner Einheit in Bielefeld stationiert war, nie in den Sinn gekommen, seine Frau zu betrügen.
Carl August Odewald liebte seine Frau. Das geht aus den Briefen hervor, die er in den Jahren 1938 und 1939 an seine „liebe Frau“ Else verfasste. „Die Briefe sind mit einer so großen, innigen Liebe geschrieben“, schreibt Rosemarie Brand. Sie ist aus der Beziehung von Else und Carl August Odewald hervorgegangen und lebt heute im Hessischen. Rosemarie Brand kam wenige Monate nach dem gewaltsamen Tod von Carl August Odewald, im Mai 1940, auf die Welt.
Die Todesumstände ihres Vaters hat Rosemarie Brand bislang nur bruchstückhaft erforschen können. Ihre Mutter Else ließ sie über Jahrzehnte hinweg in dem Glauben, Carl August Odewald sei im Krieg gefallen. Sie wollte einfach nicht, dass der Fall noch einmal aufgerollt werde – so etwa 1947/1948, als die Geschwister von Else Odewald die Initiative zu ergreifen.

Zwar gab es eine Verhandlung – vor dem Bremer Schwurgericht, wie sich bislang rekonstruieren lässt. Doch der Prozess gegen den Täter, einen Mann der SS, war eine Farce: Der Mann wurde freigesprochen und durfte sogar die Tatwaffe behalten. Er begründete gegenüber den Richtern den Angriff auf Carl August Odewald damit, dass er angenommen habe, bei dem Opfer handele es sich um den Bruder Carl Augusts. Er sollte ein Verhältnis mit der Ehefrau des Opfers gehabt haben.

Der Recherchen erster Teil

Mit diesem Ansatz nehme ich die Recherchen auf. Doch leicht, das lässt sich sogleich ersehen, wird es nicht. Denn bislang ist nicht einmal der Name des Mörders von Carl August Odewald bekannt. Schon Rosemarie Brand hatte versucht, etwas heraus zu bekommen. Doch weder das Militärarchiv des Bundesarchivs in Bonn noch die Deutsche Dienstelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht noch das Staatsarchiv Bremen konnten Rosemarie Brand weiterhelfen.
Erste Anlaufstelle für mich ist – wie in solch einem Fall üblich – die Staatsanwaltschaft Bremen. Doch der zuständige Staatsanwalt Uwe Picard kann nur im übertragenen Sinne mit den Schultern zucken. Wenn der Name des Täters unbekannt ist, sei es nahezu unmöglich, im Archiv etwas zu finden. Zudem müsse man davon ausgehen, dass die Akten bei einem der zahlreichen Luftangriffe auf Bremen während des II.Weltkriegs verbrannt seien. Also ist erstmal Sendepause.
Wenigstens ist die Straße noch erhalten, an der die Tat „zum Nachteil von Carl August Odewald“, wie es im Juristendeutsch heute heißt, geschah. Es ist die Buddestraße in Findorff, gleich gegenüber der Bürgerweide. Da wäre es doch einmal interessant zu sehen, wem das Grundstück dort heute gehört. Aber das zuständige Amtsgericht will oder kann nicht so recht mitspielen: Den versprochenen Einblick ins Grundbuch hat es bis heute, knapp ein Jahr nach Beginn der Recherchen nicht gegeben.

•Zuletzt aktualisiert am ••Sonntag•, den 15. •Januar• 2012 um 16:25 Uhr•• ••Sonntag•, den 18. •Dezember• 2011 um 19:48 Uhr•
 
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